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Teil1 Der Wind durchwühlte seine Haare, ohne sich etwas aus Formen und Strukturen zu machen. Er prügelte auf die nachgiebigen Haare ein. Diese wiederum peitschten ihm ins Gesicht, doch er machte sich nichts daraus. Er hatte seine Augen geschlossen. Er wollte eins mit der Welt, der Luft, dem Bahnsteig, den Schienen und dem um 6:02 ankommendem Zug sein. Die Welt war zwar von der Nacht verdunkelt, aber trotzdem konnte man spüren wie weit sie war. Scheinbar grenzenlos und alles verschlingend. Eine einzelne Seele war da nur ein Krümel in einem riesigen Brotkorb. Die Luft war kalt, ruhig und unverschmutzt. Nachts war nicht zuviel los, weder zu Fuß noch per Auto. Die Strassen waren um diese Uhrzeit wie leergefegt und da war es kein Wunder das der Bahnsteig nicht das kleinste Anzeichen von Leben zeigte. Der Bahnsteig schien ihm wie eine langgestreckte Insel mit einer direkten Verbindung raus aus dieser Stadt. Aber was würde ihn erwarten wenn er diese Fluchtmöglichkeit wahrnahm. Was wartete hinter dem Horizont?? Kam da wirklich noch etwas anderes ausser Städten? Waren da Städte die anders waren als diese hier? Gab es dort ein anderes Leben für ihn parat? Aber es blieb ihm keine Zeit für solche Fantasien, denn es war schon 6:05 und aus der Dunkelheit quoll das Licht des Frontscheinwerfers einer Bahn. Es mischte sich langsam mit dem gelben Neonlicht der Lampen unter dem Bahnsteigsdach. Der Mann am Bahnsteig macht sich bereit. Er richtete noch mal sein Haar, aber der Wind mochte es ihm sie wieder zu verwuscheln. Er strich sich seinen Anzug noch ein mal glatt, er wollte gut gekleidet diesen Bahnsteig verlassen. Sein Herz begann zu klopfen, damit hatte er schon gerechnet und es machte ihm keine Angst, zumindest wollte er keinen Gedanken an Angst zu lassen. Er trat einen Schritt zur Bahnsteigskante. Er konnte das Summen der Schienen hören, das Schnaufen der Eisenbahn und das laute Warnhupen. Er drehte seinen Blick dem eisernen Drachen entgegen, blickte ihm in das grell leuchtende Auge und wich keinen Zentimeter. Er trat sogar noch einen Schritt nach vorn. Er achtete nicht auf die weiße Markierung die den Sicherheitsabstand beschrieb. Das hatte er noch nie getan, also würde er jetzt nicht damit anfangen. Das heranbrausende Ungetüm war nur noch wenige Meter entfernt. Es verkürzte ihre gemeinsame Distanz mit jeder Sekunde um Meter. Der Mann im Anzug ballte ein Faust, als wolle er sich an seinem Entschluss festhalten. Er würde nicht weichen, er würde es jetzt durch ziehen. Er trat einen letzten Schritt nach vorn, er sah im Augenwinkel wie die Sonne am Horizont auf ging, er drehte seinen Blick diesem Schauspiel zu und beugte sich nach vorn. Der Zug rauschte den Bahnsteig entlang und begann mit einem lauten Quietschen zu bremsen. Er hätte eher bremsen sollen, aber dafür war es jetzt zu spät. Ein Stückweit versetzt hielt der Zug am Bahnsteig 11 um 6:06Uhr, den Sonnenaufgang zu gewandt. Die Türen schwangen auf, wild plappernde Menschen strömten heraus, überdöhnten sich in ihrem Eifer selber. Eine Stimme aus den Lautsprechern mahnte die Passagiere sich zügig vom Gleis zu entfernen. Mitten in der Masse standt eine Frau, müde von ihrer Reise, zwei Koffer an ihrer Seite und ihr Gesicht war vor Überraschung verzerrt. Ihr flossen Tränen über die gerötteten Wangen, sie begann zu schluchzen, hielt nichts zurück. Ungeachtet von der fließenden Menschenmenge um sie herum, kniete vor der Frau der Mann im Anzug. Er reichte ein kleines Kästchen mit einem glänzenden Ring entgegen und fragte sie „Möchtest du mit mir eine gemeinsame Zukunft aufbauen?“ Tränen des Glücks vermischten sich mit dem goldenen Licht des erwachenden Tages und ein vor Glück zitterndes „Ja“ floss von ihren Lippen.
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